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In kleinen Schritten für sich sorgen – und für die Patient:innen – Wir haben drei Strategien [Teil 2]

Drei Strategien für Selbstfürsorge im Therapiealltag

  1. Einem hektischen Tagesbeginn beispielsweise mit informeller Achtsamkeitspraxis zu begegnen – ganz bewusst und mit allen Sinnen den ersten Kaffee des Tages trinken oder die Wassertropfen auf der Haut beim Duschen spüren – lässt uns schon mit mehr Wohlbefinden, Ruhe und Zufriedenheit in den Arbeitstag starten.

  2. Auch zwischen den therapeutischen Sitzungen entspannende Aktivitäten (wie Musikhören, Zeitung lesen, einen Spaziergang machen) einzubauen und einfach auch mal nicht jedem Patienten entgegenzukommen und „Nein“ zu sagen (z.B. dass eine Sitzung nicht in der Mittagspause stattfinden kann), tragen wesentlich zu einer Verbesserung die eigene psychische Gesundheit bei. Prioritäten setzen, „gesunde Grenzen“ aufzeigen und die eigene Zeit schützen – wichtige Kompetenzen auch für Psychotherapeut:innen.

  3. Und am Abend? Einfach einmal einen Perspektivwechsel vornehmen und sich ganz bewusst auf jene Dinge zu besinnen, für die wir an diesem Tag dankbar sind! Psychotherapeut:innen wissen nur zu gut, gerade in stressigen Zeiten verlieren wir viel zu schnell den Blick für das Positive und Wertvolle in unserem Alltag. Anstelle sich also bis in den Schlaf über eine unfreundliche E-Mail zu ärgern und dabei das nette Kompliment der Bäckersfrau am Morgen zu vergessen – richten wir doch lieber unsere Aufmerksamkeit auf die unauffälligen, freudigen Momente unseres (Berufs-)Alltags.

Eine wichtige Säule der Selbstfürsorge zeigt uns auch die Forschung immer wieder auf: den Zusammenhang zwischen sozialer Unterstützung und psychischer Gesundheit unter Stress (Resilienz). Vor allem Psychotherapeut:innen, die selbständig in einer eigenen Praxis arbeiten, profitieren von soziale Unterstützungsnetzwerken und dem Austausch mit Kolleg:innen beispielsweise über Intervision oder bei Fortbildungen. Das Knüpfen und Pflegen beruflicher Kontakte bietet die Möglichkeit, über die besonderen Belastungen und Stressoren der eigenen Arbeit zu diskutieren und Ideen für Hilfen „auf Augenhöhe“ zu bekommen. Den Blick auf einander werfen und auf mögliche Warnzeichen, wie Gefühle der Hilflosigkeit, Neigung zum Grübeln, zu achten und sich gegenseitig die über Themen wie berufliches Burnout, sekundäre Traumatisierung und Mitleidsmüdigkeit auszutauschen, sind mit die wichtigsten Maßnahmen, die wir ergreifen können, um gesund und anpassungsfähig zu bleiben.

Ganz gleich, ob es eine unserer Anregung ist, die zum Nachdenken über die eigene Selbstfürsorge im Therapeutenalltag einlädt oder Ihre eigenen Erfahrungen: Selbstfürsorge bedarf keiner großen Anstrengung oder einer kompletten Lebensumstellung, um positive Ergebnisse zu erzielen. Manchmal sind es die kleinsten Veränderungen, die die größte Wirkung haben. Also, lassen Sie sich gutgehen – für sich und Ihre Patient:innen!

 
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